DAS PRINZIP NERVI

INTERNATIONALES SYMPOSIUM

1. FEBRUAR 2013 9:30 – 18:00 UHR
FORUM ARCHITEKTURGEBÄUDE TU BERLIN
STRASSE DES 17. JUNI 152

Ein gemeinsames Projekt der Fachgebiete „Baukonstruktion und Entwerfen, Prof. Regine Leibinger“ (TU) und „Konstruktives Entwerfen und Tragwerkslehre, Prof. Christoph Gengnagel“ (UdK) im Rahmen der Hybridplattform

KONZEPT

Als Grenzgänger zwischen Architektur und Ingenieurwesen, als Konstrukteur, Entwerfer und Erfinder ist Pier Luigi Nervi in die Baugeschichte eingegangen. Durch seine Fähigkeit, poetische und sinnliche architektonische Räume aus der Logik der Konstruktion zu entwickeln, durch seine intensive Auseinandersetzung mit dem Material Beton und dessen Anwendung ist seine Arbeit bis heute beispielgebend und zeitlos lehrreich.

 

Architekturtheoretiker, Architekten und Bauingenieure diskutieren vor dem Hintergrund des Werks und der Arbeitsweise von Pier Luigi Nervi über aktuelle Fragestellungen zu Konstruktion und Gestaltung, Prozess und Material.

VORTRÄGE

 
Video  Begrüßung und Einführung, Regine Leibinger

1. Konstruktion und Gestaltung

Moderation: Susanne Schindler

Video  Shelley McNamara, Yvonne Farrell:

Structuring Space

Video  Jan Knippers:

Von der Konstruktion des Bauwerkes zur Gestaltung der Prozesse: Wie sich die Rolle der Ingenieure verändert.

Video  Georg Vrachliotis:

Zwischen “Strukturschema” und “Konstruktionskörper”. Pier Luigi Nervi und die Unbestimmtheit der technischen Frage in der Architektur

Video  Diskussion

2. Prozess

Moderation: Susanne Schindler

Video   Fabian Scheurer:

Design for Assembly: Architektur & Vorfertigung

Video  Antón García-Abril:

Stones & Beams

Video  Christian Penzel:

Forschung und Findung

Video Diskussion

3. Material

Moderation: Susanne Schindler

Video  Cristiana Chiorino:

Art and Science of Building in Concrete: The reinvention of Ferrocement by Pier Luigi Nervi

Video  Hanif Kara:

Applied Material-ness

Video  Jürg Conzett:

Wann hat die statische Theorie neue Formen hervorgebracht und wann waren diese für die Architekten nützlich?

Video  Diskussion

Video  Abschlussstatement


Symposiumssprache deutsch und englisch
Programm und Anfahrt als PDF downladen:

REFERENTEN

Cristiana Chiorino
Architectural historian, Turin


Cristiana Chiorino (1975), Architektin, Diplom am Polytechnikum Turin, Master in Denkmalschutz der Moderne am Institut für Architektur, Genf. 2005 promovierte sie in Architekturgeschichte am Polytechnikum Turin über die Weltausstellung 1961 Turin und eine monografische Analyse des Palastes der Arbeit, erbaut von Pier Luigi Nervi für diesen Anlass. Ihr Forschungsfeld als Historikerin liegt in Architektur und Ingenieurwissenschaften der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie hat in der Organisation wichtiger wissenschaftlicher Ausstellungen zu Architektur gearbeitet, u.a. zu Carlo Molino (2006). Derzeit ist sie Mitglied des organisatorischen und wissenschaftlichen Kuratoriums sowie Redakteurin des Katalogs der Ausstellung “Pier Luigi Nervi. Architecture as Challenge” (Brüssel, Rom, Turin, Kopenhagen, Mantua, Salerno in 2010-2012) und demnächst in Lausanne and Zürich (2013), initiiert von der Pln Project Association, für die sie auch als Beraterin für die Instandhaltung und den Schutz der bedrohten Bauten Nervis tätig ist. 2011 arbeitete sie an dem Forschungsprojekt Prin „Kunst und Wisenschaft des Bauens. Form und Struktur der italienischen Architekturforschung im 2. Weltkrieg“, eine Kooperation unter Federführung ds Polytechnikums Turin mit dem Polytechnikum Mailand, der IUAV Venedig und der Università La Sapienza in Rom. Sie ist Mitglied des Council Boards von Docomomo Italien. Seit 2005 ist sie stellvertretende Chefredakteurin der monatlich erscheinenden Zeitschrift “Il Giornale dell’Architettura”, herausgegeben von Umberto Allemandi & C.



Jürg Conzett
Conzett Bronzini Gartmann Ingenieure, Chur

Jürg Conzett, geboren 1956, Studierte Bauingenieur an der EPF Lausanne und an der ETH Zürich, wo er 1980 diplomierte. Anschliessend war er Mitarbeiter von Architekt Peter Zumthor, bis er 1988 sein eigenes Ingenieurbüro gründete. Heute führt er zusammen mit seinen Partnern Gianfranco Bronzini und Patrick Gartmann ein Ingenieurbüro in Chur. Das Büro entwirft und projektiert Brückenbauten und Tragkonstruktionen von Gebäuden. Wichtigste Arbeiten: Hölzerner Mursteg in Murau (Steiermark) (Arch.: Meili, Peter, Zürich), Erweiterung Holzfachschule Biel (Arch.: Meili, Peter, Zürich), Traversiner Steg und Pùnt da Suransuns, Viamala, Wohn- und Geschäftshaus Ottoplatz, Chur (Arch.: Jüngling und Hagmann, Chur), Voltaschulhaus Basel (Arch.: Miller und Maranta, Basel), Holz-Betonbrücke über den Glenner in Peiden Bad, steinerne Dorfbrücke Vals, Aarestege Rupperswil – Auenstein



Antón García-Abril
Ensamble Studios, Madrid

Antón García-Abril, (Madrid, 1969), Architekt, ordentlicher Professor am MIT – School of Architecture + Planning. Er war Dozent an der ETSAM-UPM, Madrid, und hatte Gastprofessuren u.a. an der Harvard GSD und Cornell University. 2000 gründete er ENSAMBLE STUDIO und realisiert Projekte, welche die experimentelle und strukturelle Forschung des Büros widerspiegeln; einige dieser Bauten sind: Music Studies Center, SGAE Central Office, Martemar House, Hemeroscopium House, The Truffle, Reader’s House and Cervantes Theater. Das Büro wurde ausgezeichnet mit dem Architectural Record Design Vanguard Prize 2005 und dem Rice Design Alliance Prize 2009; 2012 wurde Antón zum RIBA International Fellow ernannt. Zusammen mit seiner Partnerin Débora Mesa kuratierte er den Spanischen Pavillon auf der Architektur-Biennale in Venedig 2012 und ist Mitbegünder der Positive City Foundation sowie kürzlich des POPLab (Prototypes of Prefabrication Laboratory) am MIT.



Shelley McNamara / Yvonne Farrell
Grafton Architects, Dublin

Yvonne Farrell and Shelley McNamara gründeten 1978 Grafton Architects nach ihrem Diplom am University College Dublin 1974. Sie sind Fellows des RIAI, International Honorary Fellows der RIBA und gewählte Mitglieder von Aosdána, der bedeutenden irischen Kunstorganisation. Von 1976 bis 2002 haben sie an der School of Architecture des University College Dublin gelehrt, hatten Gastprofessuren an der Accademia di Archittettura, Mendrisio, 2008 – 2010, an der EPFL, Lausanne 2010 – 2011 sowie 2010 den Kenzo Tange Lehrstuhl an der GSD Harvard und im Herbst 2011 den Louis Kahn Lehrstuhl in Yale. Sie sind Mitbegründer der Group 91, einem Architektenkollektiv, das verantwortlich ist für die urbane Regeneration von Dublins Kulturdistrikt Temple Bar. Grafton Architects waren 2002 das erste irische Büro, das eingeladen wurde auf der Architektur-Biennale Venedig auszustellen, 2010 waren sie dort Teil der irischen Gruppenausstellung und 2012 gewannen sie den Silbernen Löwen im Rahmen der Common Ground Ausstellung. Grafton Architects erhielten 2008 den World Building Award sowie den World Building Learning Category Award für das Fakultätsgebäude der Bocconi Universität Mailand. Das Gebäude hat weitere zahlreiche Auszeichnungen erhalten, wurde von der Kritik gefeiert und fand Beachtung als wegweisendes, zeitgenössisches Werk; 2009 war es als eines von fünf Finalisten für den Mies van der Rohe Preis nominiert. Für das Gebäude für das Finanzdepartment in Dublins historischem Zentrum erhielten Grafton Architects 2009 den British Civic Trust Award zusammen mit dem AAI Special Award. 2010 gewann das Büro den internationalen Wettbewerb für die Fakultät für Wirtschaft der Universität von Toulouse, sowie 2011 für den neuen Campus der UTEC Universität Lima.



Hanif Kara
AKT II Consulting Structural and Civil Engineers, London

Hanif Kara ist Bauingenieur, außerordentlicher Professor für Architectural Technology an der Harvard School of Design und Gastprofessor am KTH Royal Institute of Technology in Stockholm, Schweden.
Als Design-Direktor und Mitbegründer von AKTII (1996) sowie aufgrund seines speziellen, designbestimmten Ansatzes, dem Interesse an neuartigen Formen, Vorfertigung, nachhaltiger Konstruktion und komplexen Analyse-Methoden konnte er an bahnbrechenden Projekten arbeiten, wie dem Phaeno Science Centre, der Peckham Library und MIST in Masdar City. Das Büro hat über 250 Auszechnungen erhalten, darunter 2000 den RIBA Stirling Award für die Peckham Library, London und 2012 für das Sainsbury Laboratory, Cambridge sowie den RIBA Lubetkin Prize für den UK Pavillon auf der Expo 2010 in Shanghai.
Hanifs Karriere geht über die baukonstruktiven Ingenieursdisziplinen hinaus und führte zum ACE Engineering Ambassador Award, den er 2011 erhielt, darüberhinaus war er 2011 der erste Ingenieur als Preisrichter bei dem begehrten, jährlichen RIBA Stirling Prize. Er ist im Kuratorium der Architecture Foundation und Mitglied des British Council for Offices Technical Affairs Committee. 2007 erhielt er die Auszeichnung Honorary Fellowship of the Royal Institute of British Architects.
Von 2008 bis 2011 war Hanif Kara als Kommissar bei CABE (Commission for Architecture and the Built Environment) tätig – als erster Ingenieur hatte er diesen Posten bei der Regierungs-organisation, die die Gestaltungsqualität im ganzen Land beobachtet. Zudem war er 2007 – 2008 eines von 15 Mitgliedern der Design for London Advisory Group beim Bürgermeister von London. Ebenso war er Berater für das Aga Khan Development Network, 2004 war er Mitglied der Jury des Aga Khan Award for Architecture sowie 2007 und 2010 Projektkritiker.



Jan Knippers
Knippers Helbig Advanced Engineering, Stuttgart

Jan Knippers, Prof. Dr. Ing.
Gründer und Partner von Knippers Helbig Advanced Engineering. Er beschäftigt sich insbesondere mit komplex geformten und parametrisch generierten Tragwerken, mit Entwurfs- und Optimierungsverfahren sowie mit Konstruktionen aus Membranen und Kunststoffen. Jan Knippers leitet als Professor das Institut für Tragkonstruktionen und Konstruktives Entwerfen (itke) an der Fakultät für Architektur und Stadtplanung der Universität Stuttgart, ist beratender Ingenieur in der Ingenieurkammer Baden-Württemberg sowie Mitglied in mehreren nationalen und internationalen Vereinigungen und Normenausschüssen. Er ist Autor zahlreicher Bücher und Veröffentlichungen sowie Referent bei internationalen Tagungen und Kongressen.



Christian Penzel
Penzel Architektur, Zürich

Christian Penzel. Studium Industrial Design an der HfbK Hamburg und Architektur an der TU und HdK Berlin. Längerjährige Mitarbeit im Büro Marcel Meili, Markus Peter Architekten, Zürich. Von 2003 bis 2007 Oberassistent am Lehrstuhl für Architektur und Konstruktion bei Markus Peter und Peter Märkli mit Schwerpunkt Forschung und wissenschaftlicher Arbeit. Seit 2004 eigenes Architekturbüro in Zürich und seit 2008 zusammen mit dem Bauingenieur Martin Valier ein Büro für Architektur und Ingenieurswesen in Zürich und Chur. Daneben Tätigkeit als Diplomexperte an der Hochschule Luzern und freier Autor für Bücher und Fachzeitschriften.



Fabian Scheurer
designtoproduction, Zürich

Fabian Scheurer (geboren 1969 in München) ist Gründungspartner von designtoproduction und leitet das Zürcher Büro der Firma. Nach seinem Diplom in Informatik (Fachrichtung Architektur) an der TU München arbeitete unter anderem er als Assistent am dortigen Lehrgebiet CAAD, als Software-Entwickler beim CADHersteller Nemetschek und als Berater für neue Medien bei der Eclat AG in Zürich. Zwischen 2002 und 2006 untersuchte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am CAAD Lehrstuhl von Prof. Hovestadt an der ETH Zürich die Anwendung des Selbstorganisations-Prinzips auf Bauentwurf und Baukonstruktion und konnte die Ergebnisse auf eine Reihe von interdisziplinären Projekten mit Architekten, Ingenieuren und Fertigungsspezialisten übertragen. Im Jahr 2005 gründete er zusammen mit ETH-Kollegen designtoproduction als Forschungsgruppe an der ETH, um die Verbindungen zwischen digitalem Entwurf und digitaler Fertigung zu untersuchen. Ende 2006 tat sich designtoproduction mit dem Stuttgarter Architekten Arnold Walz zusammen und wurde zum Beratungs- und Planungsbüro, das seither digitale Planungs- und Produktionsketten für komplexe Architektur- und Innenarchitektur-Projekte entwickelt. Fabian Scheurer lehrte als Gastdozent an verschiedenen Architekturhochschulen, darunter die AA School in London und das IaaC in Barcelona. Seit 2012 ist er Lehrbeauftragter für Digitale Modellierung und Produktion an der HTW Chur.



Georg Vrachliotis
Architekturtheoretiker, Karlsruhe

Georg Vrachliotis ist Vertretungsprofessor für Architekturtheorie am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Zuvor lehrte und forschte er am Institut für Geschichte und Theorie der Architektur der ETH Zürich. Von 2006 bis 2010 war er Gastdozent für Architekturtheorie an der TU Wien. Er studierte Architektur an der Universität der Künste Berlin und Philosophie an der TU Berlin und promovierte an der ETH Zürich. Er ist Herausgeber und Autor der Buchreihe “Kontext Architektur. Architektonische Grundbegriffe zwischen Kunst, Wissenschaft und Technologie” bei Birkhäuser (mit Andrea Gleiniger, 2008 -), von “Structuralism Reloaded. Rule-Based Design in Architecture and Urbanism” in der Edition Axel Menges (mit Tomas Valena und Tom Avermaete, 2011), sowie von “Geregelte Verhältnisse. Architektur und technisches Denken in der Epoche der Kybernetik” (Springer Wien/NewYork, 2011). Zurzeit arbeitet zum Thema “USM / Fritz Haller. Eine Architekturgeschichte der Abstraktion”.

MODERATION

Susanne Schindler, Architektin, Princeton

Susanne Schindler ist Architektin und Autorin in Princeton, New Jersey. Sie ist Mitbegründerin und -herausgeberin von Candide. Journal for Architectural Knowledge, einer referierten Zeitschrift, die sich der architektonischen Wissenskultur widmet, und lehrt Entwurf an der Parsons The New School for Design in New York. Schindler arbeitet an der Schnittstelle von Politik und Entwurf im Wohnungsbau. Sie ist Koautorin des Buches Growing Urban Habitats: Seeking a New Housing Development Model (2009) und war Gastredakteurin der Bauwelt 10/2012, „Affordable New York”. Als Gründungsmitglied der Design-Gruppe Team R8 entwickelt sie neue Wohnformen für sehr kleine und sehr große Haushalte. R8 ist Teil von “Making Room”, einer Initiative mit dem Ziel, die Bauvorschriften der Stadt New York für den Wohnungsbau zu reformieren. Schindler machte einen B.A. in Geschichte an der Columbia University und ein Architekturdiplom an der Universität der Künste Berlin.

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